Symbol der Zusammenarbeit in Lateinamerika. Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Studierende aus Brasilien an der Escuela Latinoamericana de Medicina (ELAM) in Kuba haben in einer Videobotschaft ihre Solidarität mit Kuba und Venezuela bekundet. „Venezuela, du bist nicht allein. Wenn ein Volk Widerstand leistet, lernt ganz Lateinamerika. Von Kuba bis Venezuela: Solidarität, Respekt und Hoffnung. Es lebe die lateinamerikanische Integration.“, heißt es in der Erklärung der sogenannten „Brigada María Aragão“. Die jungen Mediziner betonen, sie seien „im Prinzip der Solidarität ausgebildet“ worden und verstünden Medizin nicht nur als Heilkunst, sondern auch als Brücke zwischen Völkern.
Die ELAM wurde 1999 auf Initiative des damaligen kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro gegründet. Hintergrund waren die verheerenden Auswirkungen der Hurrikane George und Mitch in Mittelamerika und der Karibik im Jahr 1998. Die Idee: Studierenden aus einkommensschwachen Verhältnissen weltweit ein kostenloses Medizinstudium zu ermöglichen, damit sie anschließend in ihre Heimatregionen zurückkehren und dort besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen versorgen.
Seit ihrer Gründung haben nach offiziellen Angaben mehr als 31.000 Ärzte aus 122 Ländern die Hochschule westlich von Havanna abgeschlossen. Darunter befinden sich auch über 240 Absolventen aus den Vereinigten Staaten. Das Studienmodell umfasst nicht nur die Gebührenfreiheit, sondern auch Unterkunft, Verpflegung und Lehrmaterialien. Im Gegenzug verpflichten sich die Absolventen moralisch, in unterversorgten Regionen zu arbeiten.
Die Initiative steht im Kontext der seit den 1960er-Jahren bestehenden kubanischen Praxis medizinischer Auslandsmissionen. Zehntausende Ärzte und Pflegekräfte wurden im Laufe der Jahrzehnte in Dutzende Länder entsandt – häufig in Katastrophengebiete oder während internationaler Gesundheitskrisen wie der Ebola-Epidemie in Westafrika oder der Covid-19-Pandemie. Die medizinische Diplomatie gilt als zentrales Element der kubanischen Außenpolitik.
Im Juli 2025 schlossen zudem elf US-Studierende ihr Studium an der ELAM ab – kurz bevor die damalige US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine verstärkte militärische Präsenz in der Karibik ankündigte und Venezuela, Kuba sowie andere Staaten der Region scharf kritisierte. Mehrere ELAM-Absolventen aus den USA arbeiten nach Angaben der Hochschule inzwischen in sozial benachteiligten Gemeinden oder in Regionen mit Ärztemangel.
In ihrer Botschaft formulieren die brasilianischen Studierenden ein politisches Bekenntnis: „Lateinamerika ist nicht nur ein geografischer Raum, sondern ein Projekt der Würde“, sagt eine Studentin. Ein Kommilitone ergänzt, wenn ein Volk um seine Souveränität kämpfe, stärke dies die gesamte Region. Die Erklärung verbindet damit medizinische Ausbildung, politische Selbstbehauptung und das Ideal regionaler Integration – ein Narrativ, das in Kuba seit Jahrzehnten gepflegt wird.