Shakira Medelin 2025. Bildquelle: J.ébey, SHARIKA MEDELLIN 13 04 2025 crooped, Zuschnitt Mundus Novus 24, CC0 1.0
Mehr als 400.000 Menschen haben am Sonntagabend den Zócalo im Herzen von Mexiko-Stadt gefüllt, um ein kostenloses Konzert von Shakira zu erleben. Nach Angaben der Stadtregierung war es die größte Menschenmenge, die jemals zu einem Musikereignis auf dem zentralen Platz der mexikanischen Hauptstadt zusammenkam. Für die kolumbianische Sängerin markierte der Auftritt nicht nur den Abschluss ihrer Amerika-Tournee, sondern auch einen symbolischen Höhepunkt ihrer jahrzehntelangen Beziehung zu Mexiko.
„Die Liebes- und Freundschaftsgeschichte, die ich mit Mexiko habe, ist mit nichts zu vergleichen“, rief Shakira der Menge zu. Zwei Stunden lang bot sie ein Programm, das ihre Karriere von den späten neunziger Jahren bis in die Gegenwart umspannte – inklusive der Premiere eines neuen Songs mit ihrem Landsmann Beéle.
Ein Platz als Bühne der Superlative
Der Zócalo, mit rund 46.800 Quadratmetern eine der größten öffentlichen Plätze Lateinamerikas, hatte zuletzt vor fast 20 Jahren ein vergleichbares Spektakel erlebt, als Shakira dort 2007 erstmals ein Gratiskonzert gab. Seitdem war der Ort Schauplatz politischer Kundgebungen, Staatsfeiern und religiöser Veranstaltungen – nun wurde er erneut zur Pop-Bühne.
Bereits zwei Tage vor dem Konzert begannen Fans, Zelte aufzuschlagen, um sich die besten Plätze zu sichern. In den Stunden vor Showbeginn veröffentlichte die Sängerin in sozialen Netzwerken ein Foto des sich füllenden Platzes. Unter bunten Sonnenschirmen drängten sich Tausende, um der Hitze zu entgehen. „Ich verspreche, euch heute alles zu geben“, schrieb sie – ein Versprechen, das sie sichtbar bemüht war einzulösen.
Nervosität vor dem „wichtigsten Konzert“
Nach Angaben aus ihrem Umfeld war Shakira ungewöhnlich angespannt. Ihr sei bewusst gewesen, dass dieser Abend „das wichtigste Konzert ihrer Karriere“ werden könnte. Mexiko gilt seit Jahren als einer ihrer stärksten Märkte: Erst kurz zuvor hatte sie das Estadio GNP Seguros in der Hauptstadt 13-mal in Folge ausverkauft. Mehr als 800.000 Menschen sahen sie allein dort auf der aktuellen Tournee, die landesweit über 20 ausverkaufte Shows umfasste.
Der kostenlose Auftritt im historischen Zentrum setzte diesem Erfolg die Krone auf. Anders als bei Stadionkonzerten mit Eintrittspreisen ab 1.500 Pesos war der Zugang hier frei – ein symbolischer Akt der Dankbarkeit gegenüber dem Publikum, das sie seit ihren Anfängen begleitet.
Eine Reise durch drei Jahrzehnte Popgeschichte
Gegen 20.30 Uhr trat Shakira aus dem Bühnennebel, gekleidet in ein goldenes Glitzerkostüm. Mit „La Huesera“ eröffnete sie das Konzert, begleitet von gigantischen Bildschirmen, die visuelle Elemente mit künstlicher Intelligenz zeigten: Wölfe, Flammen, ikonische Motive ihrer Karriere.
Im Laufe des Abends wechselte sie bis zu zwölfmal das Outfit. Die Setlist führte von frühen Rock- und Popballaden wie „Inevitable“ über Klassiker wie „¿Dónde estás corazón?“ bis zu neueren Hits wie „Puntería“. Immer wieder betonte sie, wie „emblematisch“ dieser Ort für sie sei – gerade nach „schweren Jahren“.
Diese Anspielung war unmissverständlich. Nach der Trennung von Gerard Piqué und einem Steuerverfahren in Spanien hatte Shakira ihre öffentliche Erzählung neu justiert. Das Motiv weiblicher Selbstbehauptung zog sich durch den gesamten Abend. „Eine Frau allein ist sehr verletzlich, gemeinsam sind wir unbesiegbar“, sagte sie und zitierte die Schriftstellerin Isabel Allende.
Zwischen Empowerment und Abrechnung
Als „Hips Don’t Lie“ erklang, bebte der Platz. Auf den Leinwänden erschien der Satz: „Die Hüften einer Frau haben Männer geboren, aber die Hüften einer Frau lügen niemals.“ Der Song, einer ihrer größten internationalen Erfolge, verwandelte den dicht gedrängten Platz in eine pulsierende Tanzfläche.
Auch „Soltera“ – eine Hymne auf das Single-Dasein – stand sinnbildlich für die neue Phase ihrer Karriere. Die Mischung aus persönlichen Anspielungen und globalen Pop-Hits verlieh dem Konzert eine narrative Klammer: vom verletzten Herz der Neunziger über den globalen Superstar bis zur selbstbewussten Künstlerin nach einer öffentlich ausgetragenen Trennung.
Im letzten Drittel des Konzerts zeigte Shakira ein Video mit Aufnahmen aus Kindheit und Jugend. Mit „Pies Descalzos“ erinnerte sie an ihre Anfänge, bevor sie mit „Antología“ sichtbar bewegt einen der emotionalsten Momente des Abends schuf. Viele im Publikum sangen jede Zeile mit.
Finale mit globalen Hymnen
Für das Finale wechselte sie in ein grünes Outfit mit tribal anmutenden Mustern. „Whenever, Wherever“ ließ die Menge erneut aufspringen, gefolgt von „Waka Waka“, dem offiziellen Song der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Ein überdimensionaler Wolf kündigte „Loba“ an, bevor sie mit ihrer viel diskutierten Session mit dem argentinischen Produzenten Bizarrap den Abend beschloss – jenem Song, der nach Veröffentlichung binnen 24 Stunden Streaming-Rekorde brach.
„Danke, Mexiko. Für diese Nacht und für all die Nächte“, sagte sie zum Abschied. Die Fans verließen den Platz mit heiseren Stimmen – und dem Eindruck, Zeugen eines historischen Moments gewesen zu sein.
Der Auftritt im Zócalo war mehr als ein Konzert. Er war Demonstration kultureller Bindung, wirtschaftlicher Zugkraft und politischer Symbolik: Eine lateinamerikanische Künstlerin, die ohne Eintritt Hunderttausende mobilisiert und damit eine der zentralen urbanen Bühnen des Kontinents bespielt. Für Shakira dürfte dieser Abend als Meilenstein in ihrer Karriere bleiben – und für Mexiko als weiteres Kapitel in der langen Geschichte des Zócalo als Ort kollektiver Emotionen.
Bildquelle: J.ébey, SHARIKA MEDELLIN 13 04 2025 crooped, Zuschnitt Mundus Novus 24, CC0 1.0