Julian Assange 2025 un Cannes. Kacy Bao (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Julian_Assange_at_2025_Cannes_The_Six_Billion_Dollar_Man_Photocall_3_(cropped).jpg), Zuschnitt MN24, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat in Schweden eine Strafanzeige gegen die Nobelstiftung und rund 30 mit ihr verbundene Personen eingereicht. Anlass ist die Verleihung des Friedensnobelpreises 2025 an die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado. Assange wirft der Stiftung schwere Untreue, Veruntreuung von Stiftungsgeldern sowie Beihilfe zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und fordert die sofortige Aussetzung des mit dem Preis verbundenen Preisgeldes in Höhe von elf Millionen Schwedischen Kronen (etwa 1,18 Millionen US-Dollar).
In seiner Anzeige beruft sich Assange auf das Testament Alfred Nobels von 1895, das den Friedensnobelpreis ausdrücklich an Personen vergibt, die sich im zurückliegenden Jahr besonders für Abrüstung, Völkerverständigung und die Förderung des Friedens eingesetzt haben. Jede Auszahlung, die diesem Stiftungszweck widerspreche, stelle eine Veruntreuung dar. Assange betont, dass Machados wiederholte öffentliche Befürwortung militärischer Interventionen gegen Venezuela und ihre Unterstützung US-amerikanischer Angriffe diesem Ziel widerspreche. Die Preisverleihung falle zudem in eine Phase erhöhter militärischer Spannungen in der Karibik, die von Experten als die größte US-Truppenverlegung in der Region seit Jahrzehnten bewertet wird.
Assange fordert von den schwedischen Behörden, die Auszahlung der Preisgelder zu stoppen, interne Unterlagen der Nobelstiftung zu sichern, verantwortliche Funktionsträger zu vernehmen und den Fall gegebenenfalls an den Internationalen Strafgerichtshof weiterzuleiten. In der Anzeige werden zudem mehrere öffentliche Äußerungen Machados dokumentiert, in denen sie militärische Gewalt als legitim bezeichnet, sowie Kritik zahlreicher Friedensorganisationen und früherer Nobelpreisträger an der Entscheidung angeführt.
Die rechtliche Struktur der Preisvergabe unterscheidet sich zwischen der schwedischen Nobelstiftung und dem norwegischen Nobelkomitee: Letzteres trifft die Auswahlentscheidung nach norwegischem Recht, während die schwedische Stiftung das Vermögen Alfred Nobels verwaltet und rechtlich zur Einhaltung des Stiftungszwecks verpflichtet ist. Assange argumentiert, dass die Auszahlung der Preisgelder in diesem Zusammenhang eine indirekte Förderung militärischer Eskalation darstelle und der Friedenspreis so „von einem Instrument des Friedens in ein Instrument des Krieges verwandelt“ werde.
Der Fall wirft Fragen zur Neutralität und Zweckbindung des Friedensnobelpreises auf und dürfte international für Diskussionen über die Rolle der Preisverleihungen in politisch sensiblen Konfliktsituationen sorgen.