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In einem Schritt zur Reform des stark verzerrten kubanischen Wechselmarktes hat die Regierung Kubas am Mittwoch die Einführung einer dritten offiziellen Wechselkursrate angekündigt. Ab Donnerstag (19.) wird diese neue Rate, die als „preislich wettbewerbsfähig“ bezeichnet wird, für Exporteur:innen und andere Anbieter:innen von Devisen gelten. Anders als die bisherigen festen Kurse wird diese Rate täglich durch die Zentralbank Kubas (Banco Central de Cuba, BCC) auf Basis von Angebot und Nachfrage bestimmt.
Die Präsidentin des BCC, Juana Lilia Delgado, erklärte in einer Fernsehansprache, dass die Maßnahme Teil der ersten Phase einer „gradualen“ Währungsunifizierung sei, die die seit Jahren bestehende Dualität und die teilweise Dollarisation der Wirtschaft beenden soll. Die bestehenden Wechselkurse – 1 US-Dollar = 24 Pesos für juristische Personen und 1 US-Dollar = 120 Pesos für Privatpersonen – bleiben unverändert. Die neue Rate wird hingegen „flexibel“ gehandhabt und soll die reale Knappheit von Devisen besser widerspiegeln.
Delgado räumte ein, dass die erheblichen Differenzen zwischen den offiziellen Wechselkursen und dem tatsächlichen Marktwert, der derzeit bei rund 450 Pesos pro US-Dollar im informellen Markt liegt, eine der größten Verzerrungen der kubanischen Wirtschaft darstellen. Die Korrektur dieser Differenzen sei entscheidend, um die seit mehr als fünf Jahren anhaltende wirtschaftliche Krise zu überwinden.
Schrittweise Währungsangleichung zur Vermeidung von Inflation
Die Zentralbank betont, dass eine sofortige Vereinheitlichung der Wechselkurse ohne Übergangsphase eine starke Abwertung des Pesos und damit höhere Inflation zur Folge hätte, was die Kaufkraft der Bevölkerung weiter schwächen würde. Daher sei ein gestufter Prozess notwendig, um die „monetären Lücken, die Wirtschaft und Haushalte belasten“, schrittweise zu schließen. Delgado beschrieb die Maßnahme als „verantwortungsbewusst, transparent und an die spezifischen Bedingungen Kubas angepasst“.
Im Rahmen der Reform soll auch die auf US-Dollar basierende virtuelle Währung MLC stabilisiert und gestärkt werden. Während der Übergangsphase werden somit drei offizielle Zahlungsmittel mit unterschiedlichen Wechselkursen parallel genutzt, ein Vorgehen, das die Regierung als Mittel zur Stabilisierung und Effizienzsteigerung der Wirtschaft ansieht. Delgado unterstrich, dass die Veränderungen im Wechselmarkt Teil eines umfassenderen Pakets von finanziellen, handels- und steuerpolitischen Maßnahmen seien, die „mehrere Fronten gleichzeitig bearbeiten, um die Wirtschaft insgesamt effizienter zu gestalten“.
Die Bekanntgabe der neuen Wechselkursrate fiel zeitlich zusammen mit einem Bericht des unabhängigen Mediums El Toque, das die Referenzwerte des informellen Marktes veröffentlicht. Laut El Toque wurde seine Website auf Kuba nach einem massiven Cyberangriff blockiert. Dies verdeutlicht die fortbestehende Spannungszone zwischen staatlich gesteuerten Reformen und unabhängigen Informationsquellen in der Inselrepublik.
Die Einführung einer dritten offiziellen Wechselkursrate gilt als entscheidender Schritt in einem ohnehin komplexen Prozess. Sie zielt darauf ab, die Kluft zwischen offiziellen Kursen und realen Marktbedingungen zu verringern und zugleich die Kontrolle über die monetären Rahmenbedingungen zu behalten. Gleichzeitig unterstreicht sie die Herausforderungen, die mit einer strukturellen Anpassung einer Wirtschaft einhergehen, die seit Jahren durch Devisenmangel, Inflation und parallele Märkte belastet ist.
Die wirtschaftlichen Reformen sollen mittelfristig die Grundlage für eine stabilere und transparentere Währungspolitik schaffen. Analyst:innen gehen davon aus, dass die Wirkung der Maßnahme stark davon abhängen wird, wie die Regierung die drei parallelen Wechselkurse steuert und ob sie gleichzeitig Vertrauen in die nationale Währung und die MLC aufbauen kann. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese „gestufte Unifizierung“ den Pesos eine nachhaltige Stabilität verleihen kann oder ob der informelle Markt weiterhin die dominante Referenz für Devisen bleibt.
Quelle: EFE